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23. Dezember 2017

Statusbericht Dezember

Das Jahr geht zu Ende, Zeit für ein paar Reflexionen.

Für mich hatte 2017 einige markante Herausforderungen: abgesagte Projekte, abgesagte Förderungen, Terminkonfusionen, die gut bezahlte Projekte unmöglich gemacht haben, etc. Ich habe versucht, jede Absage als eine neue Chance zu begreifen und meine Zeit und Kraft in neue Vorhaben zu stecken, die allerdings dann auch wieder abgesagt wurden. Trotzdem gab es in diesem Jahr wunderbare Konzerte, solo, mit Vladimir Vaclavek, mit Tworna, beim DAVE Festival im militärhistorischen Museum. Auch alle Theateraufführungen waren intensiv und gut, manche sogar sehr bewegend. Eine wunderbare Zeit in vielerlei Hinsicht war das Theaterfest der Generationen mit Cie. Freaks und Fremde.

Gegen Ende des Jahres habe ich dann den sehr interessanten und provokativen Artikel „Im freien Fall: Warum die Musik keinen Rolle mehr spielt“ von Tobias Fischer auf Facebook geteilt, der, wie ich finde, ganz gut das Dilemma beschreibt, in dem sich die Musik zumindest teilweise befindet, Stichworte: Reizüberflutung, Entpolitisierung, Bedeutungslosigkeit. Der Artikel wurde und wird sehr kontrovers diskutiert. Ich finde, der Autor hat da durchaus ein paar erhellende Gedanken aufgeschrieben. Ein Aspekt ist die politische Bedeutungslosigkeit der Musik, was ich ganz ähnlich sehe und bedaure. Und es ist für mich gleichzeitig schwer begreifbar, dass ich gerade mit einem hochpolitischen Thema, der HUMUSREVOLUTION bei der Kulturstiftung Sachsen und dem Musikfond abgelehnt wurde.
Nach Lektüre des Artikels von Tobias Fischer steht da die Frage, was soll man als Musiker machen, sollte man einfach aufhören? Aber das ist weder konstruktiv noch zielführend.

Diesen Gedanken gegenüber stellen möchte ich ein kurzen Teil aus einem Interview  mit dem hoch verehrten Pianisten Nik Bärtsch:

Frage: Kann die Musik Dinge wieder zurechtrücken, indem man etwa die verloren geglaubte Distanz zum Alltag wiederfindet?
Antwort: Wichtig ist mir, dass die Musik inspiriert, nicht im Wellness-Sinne, sondern in einem ganz radikalen existenziellen Sinne. Ich hatte einmal ein Erlebnis: Jemand aus Australien hat eine CD über meine Website bestellt und ich hab´ mich gefragt, warum er das tut. Er könnte die Musik doch einfach downloaden oder dort unten kaufen. Also hab´ ich ihm eine Mail geschrieben, mich bedankt und ihn gefragt. Daraufhin hat er geantwortet, er arbeite für das Rote Kreuz. Zurzeit stehe er jeden Morgen auf, schrieb er, mache sich einen Kaffee und lege unsere Musik auf. Dann wisse er – es war die Zeit dieser Flutkatastrophe – was zu tun sei. Er gehe raus, um den Menschen zu helfen und sammle zum Teil eben auch Leichen ein. Durch den Direktkauf wollte er die Wertschätzung, dass ihm unsere Musik dabei helfe, ausdrücken. Da habe ich begriffen, dass ich vielleicht nicht die Welt verändern kann, aber dass ich, was ich mit meinen Kollegen gemeinsam mache, wirklich gut machen muss, weil das wiederum andere Menschen inspirieren kann, das gut zu machen, was sie gut können.

In diesem Sinne, wünsche ich frohe & friedliche Weihnachten!

Und wer über die Feiertage Lust hat, höre sich den unterhaltsamen Podcast von Bony Stoev und Lucas Görlach aka Subkultan an. Die beiden waren in Quohren zu Gast und ich durfte etwas in ihr Aufnahmegerät sprechen.